Sprachentwicklungsstörungen
Sprachverlust/ Aphasie nach Schlaganfall
Stimmstörungen/ Dysphonie


Sprachentwicklungsstörungen

Später Sprechbeginn, geringer Wortschatz, Fehler in der Lautbildung, geringe oder falsche Satzbildung können Anzeichen für eine Sprachentwicklungsstörung sein. Zu Beginn der Therapie wird überprüft, ob die sprachlichen Entwicklungsauffälligkeiten alle oder nur einige der folgenden Ebenen betreffen.

Wortschatzeinschränkungen
Der aktive und/ oder passive Wortschatz ist nicht altersentsprechend.

Störungen des Satzbaues und der Flexionsformen
Die Auswahl und Reihenfolge der Wörter im Satz entspricht nicht den Regeln (z. B. Ich Kindergarten gehe); die Regeln für die Zeitenbildung werden nicht beachtet (z .B. Ich gehte in den Kindergarten); die Mehrzahlbildung ist nicht korrekt (z. B. 2 Apfels,
3 Balls) etc..

Aussprachestörungen
Schwierigkeiten bei dem Erwerb und bei der Bildung von Lauten und Lautkombinationen der Muttersprache (z. B. sagt das Kind: „Tuchen taufen“ statt „Kuchen kaufen“).

Sprachverständnisstörungen
Das Verstehen von Wörtern, Sätzen und Texten ist eingeschränkt, es bestehen Schwierigkeiten einem Gespräch zu folgen.

Ausdrucksschwierigkeiten
Die Fähigkeit Wünsche und Sachverhalte sprachlich auszudrücken ist eingeschränkt, oft ist dadurch die Sprechfreude gering.

Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten können als Folge einer Sprachentwicklungsstörung entstehen.

Mögliche Ursachen
Die möglichen Ursachen für eine Sprachentwicklungsstörung sind vielfältig. Es können physiologische Faktoren, z.B. Hörstörungen, Fehlbildungen der Sprechwerkzeuge, hirnorganische Störungen und/ oder psychosoziale Faktoren eine Rolle spielen.

Eine ärztliche Untersuchung sowie eine umfassende Sprachdiagnostik können helfen, die Ursache zu finden und eine dem individuellen Sprach- und Entwicklungsniveau angepasste Therapie durchzuführen.

Ziele der Behandlung:
Erweiterung des Wortschatzes
Aneignung des grammatischen Regelsystems
Förderung der Lautunterscheidung und der korrekten Lautbildung der Muttersprache
Förderung des Sprachverständnisses auf Wort-, Satz- und Textebene
Förderung des sprachlichen Ausdrucksverhaltens

Umsetzung der gesprochenen Sprache in die schriftliche Form

und Freude am Sprechen gewinnen.


Sprachverlust/ Aphasie nach Schlaganfall

Der Schlaganfall, verursacht durch Verengung oder Verschluss der Blutgefäße im Gehirn, ist eine der häufigsten Ursachen für den kompletten oder einen Teilverlust der Sprache (Aphasie). Auch Hirnverletzungen, -tumore und -entzündungen können einen Sprachverlust zur Folge haben.

Das Sprechen, Verstehen, Schreiben und Lesen kann unterschiedlich stark beeinträchtigt sein. Je nach Störungsbild und Schweregrad kommt es zu verschiedenen Beeinträchtigungen der Kommunikationskompetenz. Plötzlich ist es für den Betroffenen schwierig, Gespräche zu führen und Gesprächen zu folgen.

Symptome einer Aphasie

Sprachverständnisstörungen

Aphasiker können in der Regel gut hören, das Gehörte aber nicht mehr richtig entschlüsseln und interpretieren.

Wortfindungsstörungen
Aphasiker können Schwierigkeiten haben, das passende Wort bzw. den richtigen Ausdruck zu finden. Sie geraten beim Sprechen ins Stocken oder verwenden ein anderes Wort, das inhaltlich mehr oder weniger mit dem Zielwort gemeinsam hat. Auch Wortneuschöpfungen werden gebildet und erschweren die Verständigung.

Störungen der Aussprache
Durch Störungen der Aussprache (Laute werden ausgelassen, hinzugefügt, ersetzt und/ oder vertauscht) kann die Verständlichkeit der Äußerungen für den Zuhörer erschwert sein.

Störungen der Grammatik
Der Satzbau kann stark vereinfacht sein bis hin zu Ein-Wort-Äußerungen oder die Konstruktion der Sätze entspricht nicht mehr den grammatikalischen Regeln.

Störungen des Lesens und Schreibens
Buchstaben und Wörter können z.B. nicht mehr identifiziert werden, das Lesesinnverständnis ist beeinträchtigt und beim Schreiben können für die Laute nicht mehr die entsprechenden Buchstaben ausgewählt werden.

Störungen der Kommunikation
Der Betroffene hat Schwierigkeiten seine Wünsche zu äußern und an Gesprächen teilzunehmen. Es fällt ihm schwer Gesprächen zu folgen.


Aufbau der Therapie
Mit Hilfe einer therapiebegleitenden sprachlichen Befunderhebung ist es möglich, eine individuelle, der Aphasieform und dem Schweregrad angepasste Therapie durchzuführen.

Aktivierungsphase
Direkt nach dem die Aphasie auslösenden Ereignis steht die Aktivierung auf allen sprachlichen Ebenen im Vordergrund. Erste sprachliche Stimulierungs- und Deblockierungsübungen werden durchgeführt.

Störungsspezifische Übungsphase
Systematische Arbeit an den im Einzelfall beeinträchtigten Sprachstrukturen zur Verbesserung bzw. Normalisierung des Sprechens, Verstehens, Lesens und Schreibens.

Chronische Phase
Erarbeitung von Strategien, um mit den verbleibenden aphasischen Restsymptomen den Alltag so selbständig wie möglich meistern zu können.

Ziel der Sprachtherapie
Durch die individuell angepasste und systematisch aufgebaute Therapie sollen die sprachlichen Fähigkeiten des Betroffenen verbessert bzw. normalisiert werden, so dass Kommunikation im Alltag wieder möglich wird – unter Umständen auch mit Hilfe von nonverbalen Kommunikations-möglichkeiten.


Stimmstörungen/ Dysphonie

Eine wohlklingende, tragfähige und ausdauernde Stimme ist ein wichtiges Instrument, um mit anderen Menschen in Kontakt treten zu können.
Ein angenehmer Stimmklang, eine harmonische Sprechmelodie und eine deutliche Artikulation tragen wesentlich zum Erfolg eines Gespräches bei.

Durch Krankheiten, Operationen oder Fehlbelastungen der Stimme kann es zum plötzlichen oder allmählichen Verlust der gewohnten Stimme kommen. Dieses schränkt den privaten wie beruflichen Alltag enorm ein.

Die folgenden Anzeichen können auf eine Stimmstörung hinweisen.

Symptome:
Heiserkeit bis zum Stimmverlust (Aphonie)
– Eingeschränkte stimmliche Belastbarkeit
– Schlechte Verständlichkeit
– Veränderung der Stimmlage und Tonhöhe
– Kurzatmigkeit
– Atemnot
– Räusperzwang
– Reizhusten
– Halsschmerzen
– Fremdkörpergefühl im Hals (Kloßgefühl)

Treten Stimmbeschwerden auf, sollte ein Arzt (HNO-Arzt, Phoniater) aufgesucht werden, um die Ursache der Störung zu ermitteln und chronische Störungen zu vermeiden.

Mögliche Ursachen:
organisch bedingt, z. B.
– durch Missbildungen am Stimmapparat
– nach Operationen am Kehlkopf
– bei neurologischen Erkrankungen (z.B. Parkinson)
– durch Hormonveränderungen

funktionell bedingt, z. B.
– durch Überanstrengung
– durch Fehlgebrauch der Stimme
– durch unökonomische Atmung

psychogen bedingt, z. B.
– nach einem psychischen Trauma
– in Stresssituationen

ponogen bedingt, z.B.
– durch einen hohen Geräuschpegel am Arbeitsplatz (z.B. im Call-Center, in der Schule, im Kindergarten)

Aufbau der Therapie:
Übungen zur Wahrnehmung des Körpers, der Emotionen, der Körperspannung und der Körperhaltung.
Weiterentwicklung der auditiven Wahrnehmung/ Hörschulung.

Übungen zur Tonusregulation, z.B. in Form von Veränderung von Körperhaltungen und -spannungen, Abbau von Verspannungen, vor allem im Gesichts-, Hals- und Nackenbereich sowie Aufbau einer Wohlspannung im gesamten Körper und im Stimmapparat.

Übung der physiologisch richtigen Atmung als Basis für eine klangvolle, tragfähige und belastbare Stimme.
Erarbeitung der individuellen Sprechatmung.

Übung der physiologisch richtigen Stimmgebung, z. B Abbau von zu hoher Spannung bei einer hyperfunktionellen Dysphonie oder Aufbau von Spannung bei einer hypofunktionellen Dysphonie.

Ziel der Stimmtherapie:
Verbesserung der Stimmqualität und der stimmlichen Belastbarkeit bis zur Normalisierung oder Wiederherstellung einer stimmlichen Kommunikations-fähigkeit. Der natürliche Gebrauch der Stimme soll weder im privaten noch im beruflichen Alltag als anstrengend empfunden werden.